Zwischen 1861 und 1864 ließ Baron Eduard von Todesco von den Architekten Ludwig von Förster und Theophil von Hansen einen großen Repräsentationsbau in der Kärntnerstraße, an der Stelle des alten Kärntner Tores und gleich gegenüber der Staatsoper, errichten - das eindrucksvolle Palais Todesco.
Die Raumgestaltung des Palais wurde im wesentlichen von Theophil von Hansen ausgeführt, der ein Gesamtkunstwerk, in dem Architektur, Malerei, Bildhauerei sowie Kunsthandwerk eine ästhetische Einheit bilden sollten, schaffen wollte. Die Beletage mit der Wohnung des Hausherren und dem großen Festsaal zeigt den Erfolg des Vorhabens wohl am Besten.
Insbesondere der Salon Paris spiegelt den betriebenen Aufwand wider. Gemälde von Carl Rahl und dessen Schüler Gustav Gaul zeigen an der Decke des Raumes das Urteil des Paris, in den Ecken die vier Sibyllen und an den Seitenwänden diverse Szenen aus dem Leben des Paris.
Am 4. Mai 1864 wurden die Räumlichkeiten, anlässlich der Verlobungsfeier Fanny Todescos, zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Die Wiener Tageszeitung „Der Botschafter“ berichtete tags darauf unter der Rubrik Tagesneuigkeiten:
„Gestern wurden die Salons im Palais Todesco eröffnet. Man feierte die Vollendung des neuerbauten, von Hansen und Rahl künstlerisch ausgeschmückten Hauses und die bevorstehende Vermälung der Tochter des Herrn Eduard Ritter von Todesco mit Herrn Henry Worms. Die glänzenden Appartements wurden von allen Anwesenden, deren Zahl wohl an 500 betragen hat, bewundert. Man anerkannte den seltenen Verein von Pracht und künstlerisch vollendetem Geschmacke in der Dekorirung. Die Kunst verlieh auch in anderer Beziehung dem Abende Reiz. Frau Rettich und Frau Haizinger, dann Herr Beckmann sprachen ernste und heitere Worte, die in Bezug zu dem Sinne des Festes standen, Fräulein Artôt, dann die Herren Everardi und Fioravanti erfreuten durch Gesang und Hr. Tausig durch sein Klavierspiel die Anwesenden…
Nach dem Konzerte wurde das Souper an in jeder Beziehung geschmackvollen Buffets eingenommen, die unter „persönlicher Leitung“ des Herrn Franz Hauptmann arrangirt waren.“
In der Beletage ihres Palais unterhielt Eduard von Todescos Gemahlin Sophie, geb. Gomperz, einen illustren Salon, in dem Künstler, Gelehrte und Personen der Wiener Gesellschaft verkehrten. Unter anderem fand auch der junge Hofmannsthal Zugang zu diesem Salon, eingeführt 1892 durch seinen Freund Felix Oppenheimer, ein Enkel der Baronin Todesco, Sohn ihrer Tochter Gabriele (Yella), die seit ihrer Scheidung von Ludwig Freiherr von Oppenheimer, 1883, wieder in ihrem Elternhaus, dem Palais Todesco, wohnte. Im selben Haus lebte außerdem die Familie des Bruders Sophie von Todescos, Max Ritter von Gomperz, mit seinen Kindern Philipp, Marie und Cornelie (Nelly). Mit allen schloss Hofmannsthal bald Freundschaft. In dem Salon, in dem er u. a. Ferruccio Busoni, Anton Rubinstein und Franz Lenbach kennenlernte, fühlte sich Hofmannsthal zu Hause. Leopold Andrian schreibt darüber 1893 in seinem Tagebuch: "frage ich ihn <Hofmannsthal> nach dem Salon Todesco – und mit seiner unruhigen, zappelnden Redeweise – dabei sagt er immer: Nur keine Nervosität Kind – meint er: weißt Du, der Salon Todesco ist sehr angenehm – man ist ganz ungênirt – so angenehm – nicht ganz Ronacher und nicht ganz Salon – und man kann über alles reden – Weißt Du, so wie ich Dir halt sagen würde, komm um die und die Stund ins Café Central, da plauschen wir, so sag ich halt komm zu Todesco" (TB Andrian, S. 6).
Auch die Geschichte von Johann Strauß ist eng mit dem Hause Todesco verbunden. Im bereits erwähnten Salon der Sophie Todesco lernte Strauß seine zukünftige Frau, Jetty Treffz, kennen, die mit bürgerlichem Namen Henriette Chalupetzky hieß. Treffz war der Mädchenname ihrer Mutter, den Sie zu Ihrem Künstlernamen machte.
Nach der Hochzeit begleitete Henriette Johann Strauß auf seinen Konzertreisen, war seine Managerin, richtete ihm sämtliche Wohnungen ein und leitete ihn auf dem Weg zum erfolgreichen Operettenkomponisten.
Für dieses Künstlerleben gab sie ihre Kinder, die sie in erster Ehe mit dem Bankier Moritz Todesco gebar, auf und überließ sie dem Vater.
Bis in die 1930er Jahre war das Palais im Besitz der Familie Todesco. Nachdem sich der letzte Erbe, Sohn der Baronin Oppenheimer, in dieser Zeit, durch einen Sprung aus dem dritten Stock des Palais, das Leben nahm, wechselte das Haus mehrmals den Besitzer.
1935 ging es in den Besitz der Österreichischen Bundesländerversicherung, die 1999 unter dem Namen Uniqa mit der Austria Collegialität zusammengeführt wurde, über, in dem es sich bis heute befindet.
Während des zweiten Weltkrieges wurde das Palais Todesco durch einen Luftangriff auf das Nachbargebäude schwer beschädigt.
Nach Abschluss der Wiederherstellungsarbeiten richtete hier 1947 die Österreichische Volkspartei ihre Zentrale ein, die bis 1994 an diesem Standort blieb.
Nach der Renovierung des Entrees und der nördlichen Erkerzimmer kam der Bescheid, der das Palais Todesco mit dem 17. August 1976 unter Denkmalschutz stellte. In den darauffolgenden Jahren wurden das Portal, der Hausflur und auch die gesamte Außenfassade wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt.
Trotz weiterer Änderungen und Geschäftseinbauten blieb das Palais im Wesentlichen in seiner alten Form erhalten.
Seit dem Sommer 2008 beherbergt die Beletage nun die Geschäftsleitung des K&K Hofzuckerbäckers Gerstner. Zwei traditionsreiche Institutionen verbinden sich hier zu einem stimmigen Ganzen und gewähren kleine Einblicke in eine längst vergangene Zeit.
Die historischen Berührungspunkte, die Gerstner mit dem Palais Todesco verbinden, reichen von Franz Hauptmann bis hin zu den Fürsten selbst.
Beispielsweise wurden im Salon der Fürstin Todesco den illustren Gästen bereits diverse Köstlichkeiten aus dem Hause Gerstner kredenzt, bei größeren gesellschaftlichen Anlässen wurde Gerstner mit dem „Catering“ betraut und hin und wieder hatte Gerstner auch die große Ehre, die Familie Todesco, die von den einzigartigen Kreationen begeistert war, im Geschäft in der Kärntner Straße begrüßen zu dürfen.
Auch in der Zeit als die ÖVP das Palais als Parteizentrale bezog, lieferte Gerstner in das wohlbekannte Haus. Empfänge, Jubiläen und andere Feiern, welche die Österreichische Volkspartei ausrichtete, wurden fast zur Gänze von Gerstner betreut, da man mit den Traditionen des Hauses wohl nicht brechen wollte.
Mit dem Sommer 2008 hat Gerstner die Beletage übernommen und ist somit der direkte Ansprechpartner für glanzvolle Events im Stil der alten Monarchie.